Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt

Studienbereich Geo

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28.11.17 | Meldung

Geodätisches Kolloquium am 17.11.2017 an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Auf dem Weg zum autonomen Fahren Neue Herausforderungen und Möglichkeiten für das Vermessungswesen

Prinzip-Skizze Lkw-Parkleitsystem (Quelle: Vortrag Scharrer, Geodätisches Kolloquium der FHWS, 2017)

Prinzip-Skizze Lkw-Parkleitsystem (Quelle: Vortrag Scharrer, Geodätisches Kolloquium der FHWS, 2017)

Schild zur Eigenlokalisierung (Quelle: Vortrag Scharrer, Geodätisches Kolloquium der FHWS, 2017)

Schild zur Eigenlokalisierung (Quelle: Vortrag Scharrer, Geodätisches Kolloquium der FHWS, 2017)

Radarreflektoren in Leitplanke (Quelle: Vortrag Scharrer, Geodätisches Kolloquium der FHWS, 2017)

Radarreflektoren in Leitplanke (Quelle: Vortrag Scharrer, Geodätisches Kolloquium der FHWS, 2017)

Prämierung der Bachelorarbeit von Lukas Hart (rechts) durch den Landesvorsitzendes des VDV, (c)  FHWS (Schäffner)

Prämierung der Bachelorarbeit von Lukas Hart (rechts) durch den Landesvorsitzendes des VDV, (c) FHWS (Schäffner)

Das Geodätische Kolloquium des Studienbereichs Geo besetzte in diesem Jahr eine Thematik, die nicht nur für Geodäten von großem Interesse ist und auf vielen Ebenen kontrovers diskutiert wird: autonomes Fahren oder besser: der Weg zum autonomen Fahren.

Im ersten Vortrag („Aktuelles zum Digitalen Testfeld Bundesautobahn A9“) skizzierte Reiner Scharrer, Abteilungsleiter bei der Autobahndirektion Südbayern, die einzelnen Etappen: vom assistierten über das teil-, hoch- und vollautomatisierte bis hin zum autonomen Fahren. Mehr als 90% aller Unfälle werden durch menschliche Fehler verursacht – die Motivation zur Automatisierung liegt auf der Hand.

In diesem Kontext ist das Projekt „Digitales Testfeld BAB 9 (DTA9)“ eingebettet. Das DTA9 ist Teil der "Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren", die das Bundeskabinett im September 2015 beschlossen hat. Scharrer beleuchtete einige Teilprojekte wie z. B. Falschfahrer-Warnsysteme, eine „intelligente Brücke“, ein LKW-Parkleitsystem, sowie einen Untersuchungsabschnitt für automatisiertes Fahren.

Die „intelligente Brücke“ am AK Nürnberg beinhaltet eine Vielzahl von Sensorik zur digitalen Zustandsüberwachung und ermöglicht so eine frühzeitige Erkennung von Veränderungen am Bauwerk und die Optimierung von Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten.

Das Lkw-Parkleitsystem A9 soll den Parksucherverkehr und Überbelegung der Rastplätze vermeiden. Den Teilnehmern (Lkw-Fahrern) werden Parkplatzinformationen über digitale Medien zur Verfügung gestellt.

Eine rechtliche Voraussetzung für die Nutzung von hoch- und vollautomatisierten Fahrfunktionen war die Änderung des Straßenverkehrsgesetzes. Im §1a heißt es jetzt (sinngemäß): „Die Nutzung hoch- und vollautomatisierter Fahrfunktion ist im Rahmen der bestimmungsgemäßen Verwendung zulässig“ und (§1b) „Der Fahrzeugführer darf sich vom Verkehrsgeschehen und der Fahrzeugführung abwenden. Er muss aber so wahrnehmungsbereit sein, dass er die Steuerung unverzüglich wieder übernehmen kann, wenn er vom System dazu aufgefordert wird.“ Die bauliche Ertüchtigung der Autobahninfrastruktur erleichtert die Umgebungserkennung.

Im zweiten Vortrag beleuchtete Dr. Gunnar Gräfe von der 3D Mapping Solutions GmbH Möglichkeiten und Herausforderungen, die diese Thematik für das Vermessungswesen mit sich bringt: In allen Anwendungen gibt es einen Bezug zu Geodaten. Und: die Anforderungen an Datenqualität, Datenumfang und Detailreichtum sind um ein vielfaches höher als bei klassischen Navigationssystemen – der Weg geht von der digitalen Kartennavigation hin zu hochgenauen 3D Bestandsmodellen.

Solche Modelle werden schon heute in vielen Bereichen eingesetzt, z. B. Motorsport: Der Fahrsimulator – gefüttert mit fotorealistischen Straßenmodellen – ersetzt in der Vorbereitungsphase den kostenintensiven Einsatz echter Boliden. Dr. Gräfe diskutierte sehr interessante Ansätze in Bezug auf Aktualisierung und Fortführung der Bestandsdaten: Treten bei einem Verkehrsteilnehmer Diskrepanzen zwischen dem Datenbestand (Modell) und den mit Hilfe der On-Board-Sensorik erkannten Objekten auf, so könnte dies z. B. zu einer Rückmeldung führen. Häufen sich die Rückmeldungen für ein Objekt, ist offensichtlich der Datenbestand veraltet und muss fortgeführt werden.

Ein fester Bestandteil des Geodätischen Kolloquiums ist die Prämierung herausragender Abschlussarbeiten. In diesem Jahr wurden von der Bayerischen Vermessungsverwaltung prämiert: Tobias Radler und Anna Wehr („Entwicklung eines Verfahrens zur Vereinfachung der Schallschutzwandabsteckung“) sowie Nils Kummert („Entwicklung einer Methodik zur Aufnahme und Auswertung von Laserscanner-Aufnahmen während der Bewegung“). Der Verein Deutscher Vermessungsingenieure würdigte die Bachelorarbeit von Lukas Hart („Realisierung einer autonomen Baumaschinensteuerung mit C#“). Der Harbert Buchpreis des Deutschen Vereins für Vermessungswesen geht traditionsgemäß an den Jahrgangsbesten, ausgezeichnet wurde erneut Lukas Hart.

Das Geodätische Kolloquium ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Studienbereichs Geo (FHWS) und der Fachverbände DVW Bayern, VDV und IGVB.

Prof. Dr. Rolf Hollmann (FHWS)